Erstflug der E-Flite Mystique
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- Erstellt: Dienstag, 16. April 2013 21:14
- Geschrieben von Martin Näf
Auf der Suche nach einem handlichen "immer-dabei" Segler mit E-Thermik bin ich bei der Mystique von E-Flite hängen geblieben. Die Mystique ist der erste Versuch von Horizon ein Segler jenseits der Schaumwaffel-Kategorie anzubieten.
Angesprochen hat mich die Mystique optisch als Kompromiss zwischen reinem Zwecksegler und "pseudo-realem" Aussehen sowie der semi-transparenten Flügelbespannung, welche die Holzrippenkonstruktion schön zur Geltung bringt. Die Auslegung lässt auf einen angenehmen Thermikschnüffler schliessen, der aber dank dem dünnen Profil und Wölbklappen auch etwas Wind vertragen sollte. Der Preis des ARF Kits ohne Elektronik ist attraktiv aber nicht billig.
Doch schön der Reihe nach... Das Modell ist an einem kalten, verregneten Wochenende (davon gab es in letzter Zeit ja genug...) locker gebaut - "Endmontage" ist der passendere Begriff. In der Schachtel liegen fein säuberlich Rumpf, Leitwerk, Flügel und alle Kleinteile für die Anlenkungen in guter Qualität. Die Folie brauchte noch etwas Nachbesserung mit dem Heissluftgebläse, vor allem auf den Leitwerken gab es doch arg viele Falten - "Designed in the USA, made in China". Nicht ganz überzeugt war ich auch von der Halterung des Pendelhöhenleitwerks, welches auf zwei Carbonstäbe aufgesteckt wird. Deren Sitz ist etwas zu lose, so dass auch mit dem empfohlenen Auftragen von Kleberstift (Pritt) zu wenig Haftung bleibt - eine zusätzliche Sicherung ist nicht vorgesehen. Ich habe dann den hinteren Stab durch einen leicht gekrümmten Stahldraht ersetzt, damit verrutscht nichts mehr. Am meisten Zeit habe ich mit der Montage der Servos im Flügel verbraten. Das Richten und Einfädeln der Anlenkungen ist eine eher fummelige Angelegenheit, bis endlich ein guter Kompromiss zwischen verfügbarem Ruderweg und dem Blockieren der Gestänge gefunden ist. Hilfreiche Tips und die Bestätigung, dass ich nicht der Einzige mit dem Problem war, gibt's übrigens hier. Alles andere war smooth flying, selbst die Aussparung am Rumpf für die MPX Stecker zur Servoverbindung zu den Flügeln passte fast auf Anhieb, obwohl das so gar nicht vorgesehen war.
Beim Antrieb habe ich mich an die Werksempfehlung mit einem E-Flite Power 25 und 3S Akku mit 14x8 Klapplatte gehalten. Damit geht es zwar nicht ganz senkrecht, aber doch sehr zügig nach oben. Servos kamen von Futaba (3150) im Flügel und Graupner (DES 658) im Rumpf rein. Letztere sind minimal grösser als die von Horizon empfohlenen und benötigten einen kurzen aber schmerzlosen Einsatz der Dremel. Die verbleibende Elektronik (Regler, HOTT Empfänger, GPS/Vario und Voltage-Modul) passte ohne Klimmzüge in den Rumpf.
Vor dem Erstflug verblieb noch das Einstellen des Schwerpunktes. Mit dem 3.6AH Akku war der Vogel etwas kopflastig. Mit schmaleren Servos wäre es vielleicht möglich gewesen, den Akku weiter nach hinten zu schieben, mir blieben aber nur ein paar g Ballast am Rumpfende zur Korrektur. Kein Beinbruch, die Mystique ist auch so immer noch leicht genug.
Wie fliegt sie denn nun? Bereits am 6. April hatte ich den Erstflug. Bei ziemlich viel Wind war es aber kaum möglich, die Einstellungen zu optimieren - viel gab es aber auch nicht zu tun - ein bisschen Trim auf Höhe, ein Klick auf Quer, das war's. Einzig Butterfly war kaum zu beherrschen - da brauchte es viel Drücken. Es blieb daher erst einmal die Bestätigung, dass sie fliegt. Eine Woche später waren dann die Verhältnisse super. Eine kräftige Dosis Mix Butterfly auf Tiefe passte auf Anhieb, ein paar Optimierungen beim Expo und auch alle anderen Trims je nach Flugphase passten sofort. Der Schwerpunkt war allerdings etwas weit hinten, was die Mystique mit leicht giftigem Abrissverhalten quitierte. Nach einer minimalen Korrektur passte dann auch das, und nun stellte sich auch bei mir Freude ein.
Inzwischen habe ich sie an einem weiteren Abend geflogen - diesmal wieder mit etwas kräftigerem Wind. Kurz, die Mystique macht Spass. In ihrem Element ist sie eindeutig beim Thermikschnüffeln. Vor allem mit etwas Wölbklappen lässt sie sich schön eng und langsam kreisen. Bei der Landung mit voll gesetztem Butterfly ist sie absolut handzahm und beinahe im Schrittempo zu fliegen. In Normal- und Speedstellung lässt sie sich auch von etwas Wind und Turbulenzen nicht aus der Ruhe bringen. Ich hätte auch keine Hemmungen, sie am Hang einzusetzen, auch wenn sie nicht unbedingt eine "Kantenfräse" ist. Zum "Heizen" oder Kunstflug ist sie aber definitiv die falsche Wahl: Die Steiffigkeit scheint zwar für einen Holzflügel ganz in Ordnung, aber auf Quer kommt sie eher etwas träge, vor allem aber fehlt ihr das Gewicht und damit der Durchzug, um Speed in Höhe umzusetzen.
