Senderschutz aus dem 3D-Drucker
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- Erstellt: Freitag, 01. Mai 2020 13:01
- Geschrieben von Martin Näf
Die nicht ganz freiwillige Verlängerung der Bausaison hat mich inspiriert, ein schon länger anstehendes praktisches Problem zu lösen. Meistens transportiere ich meinen Sender gut geschützt im Koffer oder in einer Transportkiste. Für Gebirgsausflüge oder sonstige schlecht zugängliche Fluggebiete aber muss ich den Sender kompakt in einen Rucksack packen, ohne dass die Knüppel oder die zahlreichen Schalter und Hebel beschädigt werden.
In den vergangenen Jahren habe ich das mit einem Schaumstoffdeckel mit Aussparungen gelöst, den ich mittels Klettbändern an den Handauflagen befestigte. Das hat bisher ohne Schäden funktioniert, liess aber die Antenne und auch die Geber auf der Seite ohne direkten Schutz. So richtig zufrieden war ich damit nicht. So lag es auf der Hand, eine neue Abdeckung mit dem 3D-Drucker zu erstellen.
Bei der CAD Konstruktion führen viele Wege nach Rom. Ich liess mich bei meinem Projekt von der Idee eines Tiefziehteils leiten. In einem ersten Schritt erstellte ich also ein «Urmodell», welches dem Sender entspricht. Das Sendergehäuse für meinen Sender modellierte ich ziemlich genau aber mit ein wenig Übermass – die Schutzhülle sollte passend darauf zu stehen kommen. Auf das Gehäuse setzte ich dann «Schutzkisten» mit grosszügig bemessenem Spielraum für die Steueraggregate, die Schalter und die Schiebe- und Drehgeber. Damit hatte ich nun ein abstraktes 3D Modell des Senders, über welches ich meine Schutzhülle konstruieren konnte.
Über dieses «Urmodell» zog ich dann eine 1.5mm dicke Schicht, wie wenn eine Folie darüber gezogen würde. Das ging im CAD System ziemlich einfach: Zuerst wurde dem «Sender» ein grosser Quader übergestülpt, das Urmodell daraus ausgeschnitten. Im nächsten Schritt wurde von oben die Figur ausgehöhlt, so dass eine 1.5mm dicke Schicht übrigblieb. Von dieser Rohschale wurden anschliessend die überstehenden Teile entfernt, die Ecken gerundet, für die Halterung noch ein erhöhter Rand erstellt. Als Spielerei kamen dann noch etwas Text und Logo auf die Oberfläche, und fertig war die Abdeckung im Modell.
Der Druck einer solchen kompletten Schale dauert ziemlich lange, so dass ich vorgängig sicherstellen wollte, dass alles passt. In der Hitze des Gefechtes passiert es schnell, dass eine Messung leicht daneben ist oder ein Winkel falsch ins Modell übertragen wird. Also erstellte ich mehrere dünne Ausschnitte aus der Hülle, jeweils in den kritischen Bereichen. Der Druck dieser fünf Schablonen dauerte nur etwa eine Stunde, erlaubte mir aber eine Begutachtung der Toleranzen.
Ich hatte gut gemessen, einzig bei der Antenne baute ich noch etwas mehr Luft ein. Es hätte auch ohne diesen Schritt anständig gepasst, aber im Falle eines gröberen Fehlers wäre diese zusätzliche Stunde sehr gut investiert gewesen – immer gut, wenn man eine Versicherung hat, sie aber nicht braucht.
So ging es nun zum Druck. Als Material wählte ich ein PETG Filament – ähnlich dem Kunststoff, wie er für die Getränkeflaschen verwendet wird. Dieses Material ist zwar etwas heikler zum Drucken als das übliche PLA, sollte aber etwas weniger Steiff dafür zäher sein und auch direkt im Sonnenlicht besser bestehen. Als Schichtdicke wählte ich 0.3mm. Das ist eher etwas grob, spart dafür Zeit zum Drucken – für diese Anwendung kann ich mit dem kosmetischen Kompromiss leben. Also ab in den Slicer mit dem Modell, und anschliessend zum Drucker.
Der Nachteil der Konstruktion liegt darin, dass ziemlich viel Stützmaterial benötigt wird, da der Drucker kein überhängendes Material in die Luft zaubern kann. Das kostet sowohl Material wie auch Zeit, aber nach ca. 24h Druck war die Hülle bereit, die Stützstrukturen und die letzten paar überstehenden Fäden konnten entfernt werden. Um Kratzer auf dem Sender im Gebrauch zu verhindern und eventuelle Schläge abzufedern, kamen ein paar Streifen von dünnem Schaumstoffmaterial hinzu, und fertig war die Hülle.
Damit war die Arbeit aber noch nicht erledigt. Als Befestigung hatte ich Klettbänder vorgesehen, die um die Handauflagen reichen sollten. Da diese Auflagen aber unten abgerundet sind, würden die Bänder abrutschen. So war noch jeweils ein einfaches Gegenstück unterhalb der Auflage notwendig, die mittels den vom alten System bereits vorhandenen Klettbändern gesichert werden uns so alles kompakt an Ort und Stelle halten.
Damit war die Arbeit erledigt, der Sender ab sofort geschützt, der nächste Gebirgsausflug darf kommen! Zugegeben, vielleicht war es etwas viel Aufwand für ein einfaches Problem, aber beim Hobby ist der Weg bekanntlich wichtiger als das Ziel, und Spass gemacht hat es auf jeden Fall!