Das Rasenmähteam in Duxford

Andy Hauri und Yves mit Moni besuchten am Wochenende 9./10. Juli 11 die "Flying Legends" im englischen Duxford, nahe Cambridge - jedoch nicht zum Mähen der Piste, da wären wir jetzt noch dran - sondern zum Besuch der Airshow. Am Donnerstag schon verschafften sich die drei einen Überblick zur Geschichte der Royal Air Force und der englischen Luftfahrt im nordöstlichen Londoner Stadtteil Hendon im dortigen Museum der königlichen britischen Luftwaffe.
 
Beeindruckendes war zu sehen, historisch äusserst wertvolle Flugzeuge und Artefakte aus vergangenen Zeiten, Flugmaterial mit grossem historischen Wert wurde bestaunt und viele neue Eindrücke kamen mit nach Hause.
 
Die aviatische Vergangenheit wird in England bewusst sehr hoch gehalten und ist ein fester Bestandteil der Kultur der Insulaner. England war seit jeher immer wieder in weltweite Konflikte verwickelt, denken wir an die Vergangenheit als Seefahrernation oder die Zeit zwischen 1939 und 1945 wie auch heute am Hindukusch wo auch die Royal Air Force im Einsatz ist. Auch in den Schulen wird dies thematisiert und weitergegeben, zahlreiche Schulklassen sind immer wieder in den Museen anzutreffen.
 
An den beiden Standorten im RAF-Museum in Hendon und im Imperial War Museum in Duxford wird in den thematisch gut gegliederten Hallen zur (Militär-)Aviatik ein gut recherchierter Abriss und eine sauber aufgearbeitete Dokumentation der Entwicklung vermittelt. Selbstverständlich mit viel Patriotismus und heroischen Darstellungen, aber dennoch neutral und sachlich.
 
Im Museum in Duxford, unweit und südlich von Cambridge (15 mls) ist neben der staatlichen Institution des Imperial War Museums IWM auch die Heimat zahlreicher Sammler und Enthusisten von altem und immer noch fliegbarem Flugmaterial. Als grösste dort beheimatete Gruppe darf sicherlich die von Stephen Grey geführte "Fighter Collection" angesehen werden welche die July-Airshow (jeweils 2. Wochenende im Juli) organisiert und für eine grandiose Flightline sorgt. Dazu sind auch Gäste mit Flugzeugen aus ganz Europa anwesend teilweise sogar den USA, dies werden extra überflogen oder per Seecontainer zur Show gebracht.
 
Auf dem seit 1961 stillgelegten, ehemaligen Militärflugplatz von Duxford welcher einst Heimat und Homebase der legendären P51 "Mustang" oder der P47 "Thunderbolt" war, wird eine Airshow inszeniert, welche weltweit seinesgleichen sucht. Die Zufahrt zur Flying-Site ist komfortabel und ohne grosse Staus auf den Zufahrtsstrasse möglich, gute und kostenlose Parkmöglichkeiten fürs Mietauto und moderate Preise zeichnen Duxford aus.
 
Das Sortiment an anwesenden Flugzeugen ist gewaltig. Diese Jahr waren gleich drei Messerschmitt Bf 109 in spanischer Casa-Lizenz "Buchon" anwesend, sechs North American P51 "Mustang" und acht Vickers-Supermarine "Spitfire" in Versionen mit Rolls-Royce "Merlin" oder den noch mächtigeren "Griffon"-Motoren (36.8 lt Hubraum aus 12 Zylindern). Dazu gesellten sich drei AD 4 Douglas "Skyraider" und drei Curtiss P40 "Warhawk" sowie zwei F4U "Corsair" und natürlich die Lockheed P38 "Lightning". Weiter waren zwei DC 3 "Dakota" zu sehen mit einem superben gemeinsamen Display wie auch gleich je zwei Hawker "Nimrod" und zwei Hawker "Hind" sowie die Hawker "Hurricane" als ehemaliges Rückgrat der Royal Airforce im Sommer 1940. Auch der Fairey "Swordfish", der Jäger der Bismark, war im Flug zu sehen. Sogar gleich drei Replica's des Fokker DR I Dreideckers, das Flugzeug des "roten Barons" davon zusammen eine und eine französische "Nieuport 17" waren gemeinsam im Flug zu bestaunen. Am Sonntag dann landete der Fokker-Dreidecker im damals üblichen Stil und setzte den Dreidecker auf die Nase zu einem "stehenden Fliegerdenkmal". Ausser einem Flügelschaden und einem abgeschälten Schlauch und Pneu des linken Rades gabs nur leichten Materialschaden und es passierte glücklicherweise dem schwedischen Piloten nichts.
 
Als weiteres Highlite waren drei Hawker "Seafury" und eine Gruman F8F "Bearcat" auf dem Platz und in der Luft zugegen. Auch die in der Schweiz beheimatete letzte flugfähige Morane D3801 (Restauration ehemals Max Vogelsang aus Wohlen) sowie eine russische Jakowlew Yak 9 zeigten atemberaubende Vorführungen, selbst die letzte noch flugfähige Curtiss P36 "Hawk-Modell 75" in französischer Bemalung waren in der Luft. Sogar der viermotorige B17 Bomber "Sally B" mit seinen vier Pratt and Whittney Sternmotoren war in der Luft wie auch der Avro "Lancaster" Nachtbomber der Battle of Britain Memorial Flight mit den vier Rolls Royce "Merlin"-Reihenmotoren. Auch die Junkers Ju 53/3m der deutschen Lufthansa/Berlin Stiftung war im Display engagiert. Die mächtige Republic P47B "Thunderbolt" war nur statisch zu sehen, hat sie doch nach fünfjähriger Restauration den erneuten Jungfernflug noch nicht hinter sich, dies dürfte aber in den nächsten Wochen der Fall sein, safety first!
 
Vor dem Hintergrund der für einen martialischen Zweck gebauten Flugzeuge läuft es sicher manchem der Anwesenden kalt den Rücken hinunter, die Flugzeuge gleich mehrfach in Patrouillen im Air-Display zu sehen. Der gewaltige Sound der Motoren lässt nicht nur den Boden und die Luft erzittern, sondern - mir jedenfalls - immer wieder das Gewissen und das Zurückdenken an Zeiten in denen Tausende von Flugzeugbesatzungen geopfert wurden.
 
Zum Abschluss findet jeweils ein gewaltiges "Balbo" statt. Da werden alle Flugzeuge aus der Zeit von 1935 bis 1948 in den Himmel geschickt und defilieren meist in mehr als 20 Exemplaren anschliessend in der Luft vor dem Publikum. Leider ist es am Sonntag dann zu einem Zwischenfall und einer mid-air Kollision bei der Auflösung der Formation "Balbo" gekommen. Eine AD 4 Douglas "Skyraider" rammte in der Luft die P51 "Mustang" - Big Beautifull Doll seitlich von hinten beim abdrehen nach links. Wer die Schuld trägt,wird die Untersuchung des AAIB zeigen. Die Skyraider verlor dabei ein grosses Stück des Aussenflügels konnte aber dennoch einigermassen sicher (!) landen. Für die "Mustang kam leider das Aus, der Rumpf war im Heckteil geknickt, genau da wo die Steuerseile des Seiten- und Höhenruders verlaufen. Die erst dieses Jahr aus England nach Deutschland verkaufte P51D - und vor drei Moanaten restaurierte "Big Beautifull Doll" - war nicht mehr zu retten und stürzte in ein Kornfeld ab. Der Pilot konnte sich aus rund 500 ft (165 m !) mit dem Fallschirm retten und blieb gänzlich unverletzt, ebenso entstand glücklicherweise "nur etwas" Flurschaden" ohne weiteren Personenschäden. Die P51D "Mustang" wurde dabei vollständig zerstört. Schade, dieser unnötige Zwischenfall.
 
Alles in allem verbrachten Andy und Yves zusammen mit Monika eine wunderschöne Reise nach England mit viel Flugzeugen und auch viel Geschichte und Historie. In Cambridge selber, dem College- und Universitätsstädtchen in England schlechthin gibt es auch die Möglichkeit, imposante Bauten, opulente Architektur und beschauliche, anglikanische Baukunst  und schöne Parks und Gärten zu bestaunen. Übrigens, des Essens wegen braucht man nicht unbedingt nach England zu reisen. Schon nach dem ersten Morgenessen mit Champignons, Gummibrot, Würsten, Kartoffeln, gedämpften Tomaten und roten Cowboybohnen, garniert mit Porridge-Topping wünscht man sich doch schon wieder das gute alte "Confi-Brot" und den feinen Espresso vom Kontinent zurück.
 
Ein paar Bilder zum Thema sind hier zu finden oder das DVD/Blue Ray Preview von Planes TV hier.